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Tagesordnungen und Ergebnisprotokolle vergangener IASB-Sitzungen
Sondersitzung von IASB und FASB am 23. Juni 2010

 

Tagesordnung der Sondersitzung von IASB und FASB

IASB und FASB hielten am 23. Juni 2010 eine Sondersitzung ab. Die Tagesordnung umfasste den folgenden Punkt:

bullet Versicherungsverträge

 

Die Materialien, die vom IASB an Beobachter ausgeteilt wurden, sind auf der Website des IASB zu finden:

 

bullet Mittwoch

 

Das offizielle Ergebnisprotokoll für diese Sitzung in englischer Sprache können Sie hier von der Website des IASB herunterladen (IASB Update).

 

Sondersitzung von IASB und FASB am 23. Juni 2010

 

bullet Versicherungsverträge

 

Der IASB (in London) und der FASB (in Norwalk, per Videokonferenz zugeschaltet) tagten, um Versicherungsverträge zu erörtern. Mehrere IASB-Mitglieder, FASB-Mitglieder und der Stab des FASB nahmen an der Sitzung per Videoschaltung oder Telefonkonferenz teil. Vier IASB- Mitglieder nahmen an der Sitzung nicht teil.

 

Zahlungsströme, die im Zuge der Erfüllung des bestehenden Versicherungsvertrags durch den Versicherer entstehen

 

Die Boards erörterten, ob der erwartete Barwert der Zahlungen, der bei der Bemessung des Versicherungsvertrags verwendet wird, den erwarteten Barwert aller zukünftigen Zahlungsmittelab- und -zuflüsse beinhalten sollte, die im Zuge der Erfüllung des Versicherungsvertrags durch den Versicherer entstehen, oder ob sie auf jene Zahlungsmittelab- und -zuflüsse beschränkt werden sollten, die sich aus der Versicherungsschuld ergeben.

 

Die Boards erwogen eine Reihe von Beispielen an Zahlungsströmen und beurteilten, ob und warum sie in die Bemessung von Versicherungsverträgen einbezogen werden sollten. Grundsätzlich verständigten sich die Boards darauf, dass alle inkrementellen Zahlungsströme aus der Erfüllung bestehender Versicherungsverträge einzubeziehen sind sowie darauf, dass allgemeine Gemeinkosten oder Ertragsteuern nicht in diese Zahlungsströme einbezogen würden. Dessen ungeachtet brachten viele Boardmitglieder ihre Bedenken hinsichtlich der Formulierung des vorstehenden Prinzips zum Ausdruck. Diese Boardmitglieder meinten, dass das Prinzip alle inkrementellen Zahlungsströme aus bestehenden dieses Versicherungsverträgen, die auf Portfolioebene bemessen würden, umfassen solle. Nach kurzer Diskussion verständigten sich beide Boards auf neue Prinzip. Nichtsdestotrotz baten den Boards den Stab, das Prinzip in einer Weise zu formulieren, das mit den bestehenden Leitlinien in der Bilanzliteratur in Einklang stünde (direkt zurechenbare und direkt Zahlungsströme, einschließlich der Zurechnung direkter Gemeinkosten), und die notwendigen Anwendungsleitlinien zur Verfügung zu stellen.

 

Die Boards erörterten die mögliche Umklassifizierung von Vermögenswerten infolge des Verwertungsrechts oder Schulden aus einem Anspruch auf ein allgemeines Schuldenkonto. Einige Boardmitglieder brachten ihre Meinung zum Ausdruck, dass jedwede Umklassifizierung aus Versicherungsverträgen zu belastend sei und Angaben ausreichten. Es wurden keine Beschlüsse gefasst.

 

Erwerbskosten

 

Die Boards bestätigten ihre vorläufige Entscheidung, wonach ein Versicherer Erwerbskosten bei Anfall aufwandswirksam zu erfassen habe. Die Boards entschieden, dass die Rest-/Verbundmarge um den Betrag der direkt zurechenbaren Erwerbskosten, die beim Ersatzansatz entstehen, verringert werden sollten, indem der Betrag den Zahlungsströmen zugerechnet wird.

 

Nach kurzer Diskussion entschieden die Boards, dass die Erwerbskosten als direkt zurechenbare Erwerbskosten auf Vertragsebene definiert werden sollten. Die Boards stimmten dem Einbezug von zugerechneten Gemeinkosten in diese Kosten oder des Teils der Kosten, die sich auf nicht erfolgreiche Verträge beziehen, nicht zu. Die Boards waren besorgt, dass die Entscheidung, diese Kosten in die Erwerbskosten einzubeziehen, die Restmarge verringern und zur Bilanzierung höherer Erlöse beim Erstansatz führen könnten (um sie gegen die eingegangenen Erwerbskosten aufzurechnen).

 

Einige Boardmitglieder äußerten ihre Bedenken hinsichtlich des vereinbarten Ansatzes, v.a. der fehlenden Konsistenz mit der getroffenen Entscheidung zu den Zahlungsströmen (siehe oben - der Unterschied im Bilanzierungsobjekt) sowie Unterschieden im Geschäftsmodell des Versicherers (d.h. es könnte Unterschiede bei der Bilanzierung von Anschaffungskosten und Erlösen zwischen einem Versicherer, der Dritte einschaltet und ihnen für den Erwerb eine Provision zahlt, und einem Versicherer geben, der interne Ressourcen für den Verkauf der Versicherungsverträge nutzt).

 

Entbündelung

 

Die Boards setzten ihre Erörterung zum Prinzip der Entbündelung fort. Auf ihrer Sitzung im Mai 2010 verständigten sich die Boards darauf, das Prinzip der Entbündelung auf der Grundlage bedeutender Wechselbeziehung aufzubauen. Nichtsdestotrotz baten die Boards den Stab auf dieser Sitzung, die vorgeschlagenen Leitlinien zu verfeinern.

 

Auf dieser Sitzung schlug der Stab vor, das Prinzip der Entbündelung wie folgt zu formulieren:

Eine Komponente eines Versicherungsvertrags sollte entbündelt werden, wenn sie unabhängig von anderen Komponenten dieses Vertrags läuft. Eine Komponente läuft unabhängig, wenn sie in keiner bedeutenden Wechselwirkung zu anderen Komponenten dieses Vertrags steht.

Der Stab schlug die Hinzufügung der folgenden Faktoren vor, welche anzeigen würden, dass eine Komponente in keiner bedeutenden Wechselwirkung zu einer anderen steht:

 

  1. Die Komponente setzt den Versicherer nur Risiken aus, die die Definition von Finanzrisiken in IFRS 4 erfüllen.
  2. Für diese Komponente besteht ein eigenständig beobachtbarer Markt oder Marktpreis.
  3. Die Komponente ändert die Zahlungsströme des Versicherungsvertrags in einer Weise, die mit den Regelungen des Versicherungsschutzes nicht verknüpft ist oder von der Richtung her in Einklang steht.
  4. Die Komponente stellte einen Saldo in Übereinstimmung mit den Merkmalen dar, wie sie nach US-GAAP festgelegt sind (ASC Thema 944-20-15).

 

Viele Boardmitglieder äußerten erhebliche Bedenkungen, ob die Bedeutung von bedeutender Wechselwirkung als Prinzip hinreichend operationabel sei. Ein Boardmitglied schlug ein neues Prinzip der Entbündelung vor, dass eine Entbündelung für alle Versicherungsverträge vorsähe, die dem Teilnehmer die Rückzahlung oder Entnahme des Anlagebetrags ohne ermöglichten, ohne das Versicherungsereignis auszulösen, und dessen Zahlungsprofil keine Beziehung zur Versicherungsdeckung aufweise (oder, anders ausgedrückt, die Variabilität der Zahlungsströme des Vertrags hängt von finanziellen Faktoren ab).

 

Die meisten Boardmitglieder schienen diesem Vorschlag zuzuneigen Der Stab meinte, dass das Prinzip um die Wechselwirkung mit anderen Versicherungskomponenten aktualisiert werden sollte (d.h. Situationen, wenn ein teilweiser Rückzug den Versicherungsschutz nicht außer Kraft setzt). Der Board bat den Stab, das Prinzip der Entbündelung auf Grundlage dieser neuen Bedeutung wie oben ausgedrückt zu formulieren und zu erwägen, wie operationabel die Leitlinien seien.

 

Ungeachtet dessen beschlossen die Boards für den fall, dass die neuen Leitlinien nicht hinreichend klar und operationabel seien, zum ursprünglichen Vorschlag des Stabs zurückzukehren, der auf bedeutender Wechselwirkung basiert. Die Boards verständigten sich darauf, dass, sollte eine derartige Situation eintreten, der Entwurf eine Frage an die Adressaten enthalten würde, wie praktikabel das Prinzip auf Grundlage der bedeutenden Wechselwirkung ist.

 

Darstellung

 

Die Boards erwogen verschiedene Modelle für die Darstellung der Gesamtergebnisrechnung. Der Boards erwogen die vier Modelle, die bereits auf der Februarsitzung erörtert worden waren – das Modell der geschriebenen Prämien, das Modell der allokierten Prämien, das Modell der zusammengefassten Marge und das erweiterte Margenmodell. Auf jener Februarsitzung hatten die Boards entschieden, dass die Bewertung Treiber für die Darstellung der Gesamtergebnisrechnung sein sollte. Von daher verständigten sich die Boards darauf, den erweiterten Margenansatz weiterzuverfolgen.

 

Mehrere Boardmitglieder drückten ihr Unbehagen hinsichtlich des erweiterten Margenmodells zum Ausdruck, da es zur einer Berechnung der Erlösgröße führt (statt eine Widerspiegelung der tatsächlichen Gegenleistung des Kunden). Zudem würde die Anwendung des erweiterten Margenmodells zur Bilanzierung eines Betrags als Erlös führen, der gleich den Anschaffungskosten sei.

 

Nach einer kurzen Diskussion verständigten sich die Boards, dass ein zusammengefasster Margenansatz, der um zusätzliche Angaben zum Geschäftsvolumen und zu der Veränderung der Versicherungsschuld ergänzt würde, am besten zu dem in der Entwicklung befindlichen Versicherungsmodell passe. Die meisten Boardmitglieder stimmten diesem Vorschlag zu.

 

Nichtsdestotrotz drückte eine bedeutende Minderheit des Boards einige Bedenken hinsichtlich des vorgeschlagenen Ansatzes aus. Sie meinten, dass die Verwendung des Darstellungsmodells zusammengefasster Margen zu mangelnder Vergleichbarkeit mit anderen Finanzinstituten und zu Darstellungsfragen für Versicherer führen könne, die bedeutende Verträge besäßen, die auf Grundlage des vereinfachten Modells bilanziert würden (auf Grundlage der geschriebenen Prämie). Die Boardmitglieder meinten, dass die zusammengefasste Marge zur Schaffung eines branchenspezifischen Standards führen würde und das Darstellungsmodell nicht mit dem Projekt zur Darstellung des Abschlusses in Einklang stünde (auf Grundlage der Prinzipien zur Aufgliederung und Kohärenz). Auf der anderen Seite meinte die Mehrheit der Boards, dass das Darstellungsmodell vom Bewertungsmodell getrieben werde, und da dieses speziell sei, sollte das Darstellungsmodell dieses widerspiegeln.

 

Aufzinsung der Rest-/Verbundmargen

 

Der IASB erörterte einen zusätzlichen Sachverhalt im Hinblick auf die Aufzinsung der Restmarge (der FASB entschied, die Verbundmarge nicht aufzuzinsen).

 

Der IASB diskutierte, ob ein fester Zinssatz, der bei Zugang festgelegt wird, oder ein in jeder Periode aktualisierter Zins für die Aufzinsung verwendet werden sollte. Der Board war bei diesem Thema geteilter Meinung, die Hälfte der Boardmitglieder sahen die Restmarge als Ergebnis eines Systems von Barwerten zukünftiger Zahlungsmittelzu- und -abflüsse, die bei Zugang festgestellt würden, wohingegen andere Boardmitglieder das Versicherungsmodell konzeptionell als ein Gegenwartsmodell ansahen, das die Verwendung eines aktuellen Zinses rechtfertige. Der Board kam überein, zu diesem Sachverhalt in dem kommenden Standardentwurf eine Frage zu stellen.

 

Diese Zusammenfassung basiert auf Notizen, die von Beobachtern bei der Sitzung gemacht wurden. Sie sind nicht als offizielle oder endgültige Zusammenfassung zu verstehen.

 

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